Sardinien – Entdeckungs- und Bildungsreise – 2. Tag in Oristano – Die Sartiglia

Der 2. Tag in Oristano, die Sartiglia, Reiterspiele – Pferderennen – in Oristano

Es beginnt mit dem Besuch im Reitstall des Compidori, des Waffenmeisters der Sartiglia, um das schmücken und aufzäumen der Pferde und Reiter zu erleben. Eine angespannte, aufmerksame aber auch fröhliche Atmosphäre erwartet uns, ungewohnt und so noch nicht erlebt. Im abgeschirmten Stall werden die 3 Pferde der Gruppe geschmückt.

Nur einen kurzen Blick kann man mit Glück erhaschen.

Im Hof sind Zelte aufgestellt, 2 lange Tisch sind aufgebaut, jedeFamilie bringt Kleinigkeiten mit, herzhaftes, Käse, unterschiedliche Gemüsekuchen, Salami und andere köstliche Dinge, aber auch das Süße fehlt nicht, tolle Patisserie. Getränke werden gereicht, die Stimmung ist zurückhaltend fröhlich, ein Männerchor singt sardische, melodiöse Lieder, junge Mädchen zeigen sich in sardischen Trachten, viel Bewegung, ein Kommen und Gehen.

Es wird Zeit zum Pferderennen in die Straße Via del Duomo in der Innenstadt von Oristano aufzubrechen, alles brechend voll mit Schaulustigen. 

Die ganze Innenstadt ist ein großer Markt mit Verkaufsständen, in den Gassen, alles ist zu kaufen, typische sardische Produkte, überall werden heimische, regionale Speisen angeboten, große Grills – Holzkohle – voll mit Würsten, Fleisch aller Art, Fischspezialitäten und immer wieder Süßes.

Die Sartiglia, ein altes Pferderennen, welches aus dem 16. Jhd. überliefert wurde, beginnt. Auf der Tribüne in unmittelbarer Sichweite des Sterns steigt die Spannung.

Trompeter und Trommler gehen voran, junge Frauen in Tracht, die -is Massaieddas-, welche den -Su Componidore- eingekleidet haben, folgen.

Angeführt wird die Reiterparade von dem -Su Componidori- einer rätselhaften und fazsinierenden Figur mit einer schönen androgynen, hellen Maske, die von den Gremi, der Bauerngilde organisiert wurde. Er segnet alle Teilnehmer und Zuschauer mit dem -sa Pippia e Maju-, einem Veilchenstrauss an einem Zepter aus Immergrünenzweigen hängend, das Symbol des Frühjahres.

Eine dreifache Kreuzung der Schwerter, zwischen -Su Componidori- und seinem Stellvertreter markiert den Beginn des Turniers.
Die Herausforderung beginnt. Su Componidori, wird den Stern aufladen und versuchen, ihn mit seinem Schwert zu fangen. Als nächstes werden seine beiden Adjutanten versuchen. Nur jene Reiter, die durch die Abgabe eines Schwertes durch das Haupt des Kampfes geehrt werden, sind berechtigt, die Eroberung des Sterns zu versuchen.

Die Eroberung des Sternes, ein gewagtes, mutiges Ereignis. In vollem Galopp, mit lang ausgestreck-tem Arm muß die kreisrunde Mitte des Sternes ca. 5 cm Durchmesser durchbohrt werden, um den Stern auf dem Schwert, tatsächlich zu erobern und weiter zu galoppieren. Eigentlich unmöglich, denn der Stern ist in Augenhöhe des Reiters plaziert, dass Pferd galoppiert sehr schnell, aufgeschüt-terter, tiefer Sanduntergrund, uneben, kühles Auge, fester Sitz, unglaubliche Leistung.

Der erste Reiter, der Su Componidori, trifft ins Schwarze, durchbohrt den Stern, ein unheimlicher Jubel, aufspringen, klatschen, umarmen, man wird mitgerissen, grandiose Stimmung, einmaliges Erlebnis, beeindruckend. Über hundert Reiter folgen, nicht jeder trifft, ca. 16 Reiter kapern den S tern. Anscheinend ein gutes Ergebnis für die Fruchtbarkeit des Jahres. 

Danach versuchen das Oberhaupt des Kampfes und seine Gefährten ihr Glück mit der hölzernen Lanze („Stocco“) den Stern zu durchstechen. Sobald die Stechen mit dem hölzernen Speer vorbei sind, kehrt ‚Su Componidori‘ erneut vor dem Domplatz zurück, um die hölzerne Lanze für ein Zepter von Veilchen zur Begrüßung zurückzugeben und die Gilde und alle anwesenden Personen zu segnen.

Die Sartiglia ist ein Erlebnis, faszinierend, aufregend, spannend, allerdings auch nicht ungefährlich. Beim Einmarsch waren einige Pferde so nervös, das sie ihre Reiter vor den Tribünen abwarfen, ein Pferd brach sich beim Galopp auf dem Stern das Fußgelenk und ein unaufmerksamer Zuschauer wurde von einem Pferd getroffen.

Das Pferd wird geheilt und auf der Weide seinen Lebensabend genießen können, Pferd und Reiter sind eine Einheit, Freunde, sonst kann man auch ein solches Pferderennen nicht überstehen.

Wer die Gelegenheit hat, an einer Sartiglia teilnehmen zu können, sollte dies nutzen, so etwas muß man erleben.

Hier geht es dann weiter in unserer Entdeckungstour:  http://www.genussregion-stuttgart.de/wein/weingueter-nicht-von-hier/sardinien-entdeckungs-und-bildungsreise-abendessen-in-oristano-2/