Wein in der Region

Entwicklung des Weines in Württemberg und der Region Stuttgart

„Die Römer brachten den Wein in die Region und an den Neckar!“

Diese schöne Legende und immer wieder verbreitete Historie ist nicht haltbar und falsch, es fehlt der belegbare Beweis.

Leider, denn es wäre so schön gewesen diese historische Tat belegen zu können, dass römische Legionäre die Weinreben in der Region und am Neckar heimisch gemacht haben.

Unterhalb der RotenbergkapelleWas die Römer in die Region brachten war der Genuss des Weines. Tatsächlich gibt es die erste urkundliche Erwähnung von ´Canstat ad Neccarum` aus dem Jahr 708. Der Anlass ist eine Schenkung an das Kloster St. Gallen, doch der Hinweis auf Weinberge findet sich nicht darin.

Erst vier Jahrhunderte später lässt sich der Weinbau in Stuttgart verbindlich belegen. Die Quelle ist ein Totenverzeichnis des Klosters Blaubeuren aus dem frühen 12. Jahrhundert, als ein Kleriker – Angehöriger der katholischen Geistlichkeit – namens Ulricus dem Kloster ´vineas in Stutgarten` übereignet hat. Es wird gerade auf einige Ungenauigkeiten in der Historie hingewiesen, da eine genaue Jahreszahl fehlt, wird nach einem Abgleich mit Daten aus anderen Quellen auf die Übereignung von Ulricus das Jahr 1108 angenommen.

Rebsorten in Württemberg

Herkunft, Einführung, Verbreitung und die Qualität der Weine vom Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert,

Promotionsschrift von Christine Krämer
2006 im Jan Thorbecke erschienen

Weinwissen
Auskunft über Wein und Weinherstellung
Jens Priewe

Heyne Verlag € 9,95.

Wenn es um 1100 bereits Rebgärten auf heutiger Stuttgarter Markung gegeben hat, dann liegen die Anfänge auf jeden Fall davor, aber sicherlich nicht 1000 oder mehr Jahre früher.

Mit gebotener Vorsicht kann der Beginn des Weinbaus hierorts deshalb um die Jahrtausendwende taxiert werden. Die römischen Wurzeln erscheinen also als schöne Legende. Die Römerzeit in Deutschland war von 58 v. Chr. bis 260 n. chr., also ca. 300 Jahre. Wie schon gesagt, die Weinrebe brachten die Römer sicherlich nicht in diese Region, nur den Genuss.

Für diese ernüchternde Feststellung spricht der Umstand, dass Weinbau nach derzeitigem Stand der Wissenschaft erst untern den Merowingern. Die Merowingerzeit – eine fränkische Adelsfamilie – war in der Zeit von 482 bis 714.

Zur Kontrolle der eingenommenen Gebiete stützte das merowingische Königstum seien Hoheit auf fränkische Grundherren, die militärisch geschulte Kriegsgefolgschaften an sich banden und die Ansiedlung eigener oder verbündeter Stammesangehörigen an taktisch wichtigen Orten sicherten. Von Ihnen wurde die weitere Entwicklung der mittelalterlichen Gesellschaft zu einem auf dem Christentum beruhendem Feudalsystem hineingeleitet.  (Germanische und römische Traditionen wurden weiterentwickelt.) Auf die Meworinger folgten die Karolinger, welche ebenfalls dafür sorgten, dass der Weinbau in Württemberg, hauptsächlich im Unterland, in der Gegend um Heilbronn beschränkt geblieben sein dürfte.

Die Karolinger waren ein Herrschergeschlecht der westgermanischen Franken, das ab 751 im Frankenreich die Königswürde innehatte. Sein berühmtester Vertreter war Karl der Große, von dem die späteren karolingischen Herrscher abstammten. Das Geschlecht der Karolinger beherrschte in unterschiedlichen Konstellationen bis 987 Mitteleuropa und prägten die frühmittelalterliche Welt entscheidend. Die Karolinger beeinflussten das Angesicht Europas, ihr Einfluss war noch über 1200 hinaus sichtbar, so liegt in ihrer Herrschaft auch der Ursprung der föderativen und dezentralen Verfassung und Herrschaftsausübung auf dem Gebiet des heutigen Deutschland begründet.

Wie kann man dann aber die vielen Amphoren in den Vorratskellern römischer Gutshöfe deuten?

Dies kann als Zeugnis ausgelegt werden, dass der Weingenuss der römischen und keltischen Gutsherren hoch im Kurs stand und Wein auf den Handelswegen über das Rhone- und Rheintal tatsächlich schon zur Römerzeit bis in unsere Breiten gebracht wurde. Kelteranlagen wurden nicht gefunden und fehlen, ebenso schriftliche Überlieferungen.

Kein Dichter, wie Ausonius, hat am Neckar grünende Ranken an den Gestaden der Mosel hinauf besungen, wie er dies in seiner Mosella-Dichtung von 371 nChr. machte.

Die Jupitergigantensäule von Waldheim, welche im Limesmuseum in Aalen und als Nachbildung im Zweigmuseumdes römischen Gutshof von Oberriexingen schmückt, ist nach Ansicht von Historikern kein Beweis für Weinbau.

Auf dem rebenumrankten Säulenschaft finden sich zwar die Darstellungen eines Weinbergs und Szenen von der Weinlese, doch sind dies gängige Motive, die auch an Orten ohne Bezug zum Weinbau gefunden wurden.

Auf Dioramen, in der ausgegrabenen Villa rustica, ist die Verschiffung von Wein zu sehen. Hier wurden erste Zweifel am Beleg für Weinbau in der Römerzeit geweckt, da die Verschiffung von Wein damals nachweislich für die Versorgung der germanischen Provinzen galt. Von Massilia – Marseille – aus, rhoneaufwärts über die Burgundische Pforte, ins Rheintal wurde der Wein transportiert.

Gegen eine von den Römern bis in unsere Zeit reichende Weinbautradition im einstigen Germanien spricht vollends, das Kaiser Domitian im Jahr 90 nach Christus ein Verbot des Weinbaus außerhalb der italienischen Provinzen erlassen hat, das erst Ende des 3. Jahrhunderts durch Kaiser Probus aufgehoben wurde.

mit Blick auf die RotenbergkapelleZu diesem Zeitpunkt aber war das Land am Neckar bereits von den Alamannen erobert worden. Gänzlich unwahrscheinlich auch, dass diese eine von den Römern hinterlassenen Rebkulturen übernommen haben könnten, für die kein Indiz pricht und vorhanden ist. Als Konzens in der frühmittelalterlichen Forschung gilt mittlerweile auch, dass Römische Rebsorten, in Italien – ca. 50 Sorten – im erst spät aufkommenden Weinbaus in Württemberg ausgeschlossen werden können. Aus heutiger Sicht ist es erstaunlich dass die Wahl der Rebsorten lange Zeit nachrangig war. Burgundersorten, Wildrebenabkömmlinge und der Heunisch, eine Frühform des Burgunders sind nach Auswertung aller verfügbaren Quellen Im Hochmittelalter für unseren Raum wahrscheinlich. Vom 11. Jhd. an begann sich der Weinbau am Neckar auszubreiten. Eine ausgeprägte Klimagunst in der Zeit von 1180 bis 1300 beförderte die Ausbreitung. Selbst während der Pest konnte sich die Rebwirtschaft gut behaupten.

Der Weinbau wurde zur Haupterwerbsquelle der Stuttgarter.

Im Jahre 1350 waren bereits 502 Hektar bestockt, Ende des 16. Jahrhunderts waren es sogar mehr als 1200 Hektar, wobei die erst viel später eingemeindeten Vororte wie Cannstat und Untertürkheim gar nicht mitgezählt sind. So wies die Hauptstadt von Württemberg im 16. Jahrhundert nach Wien und Würzburg die drittgrößte Rebfläche im Deutschen Reich aus.Stuttgart Wein, als Neckarwein vermarktet, wurde über Ulm in weinärmere östliche Regionen wie Oberschwaben, Bayern und Österreich exportiert. Die Ausweitung des Weinbaus, wie immer, wenn etwas gefragt ist, ging schließlich so weit, dass Herzog Christoph 1554, auch aus Sorge um die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln!, die Neuanlage von Rebzeilen unter Strafandrohung verbot, außer auf Flächen von unbearbeiteter Wildnis.Weinbau wurde immer auskömmlicher, wobei dies in erster Linie für die Grundherren galt: Adelshäuser, Klöster und Spitäler. Weit verbreitet war zu damaliger Zeit der Teilbau, also die Verpachtung gegen Abgabe von Teilen des Ertrags. Um dies zu kontrollieren galt der Kelterbann, der erst 1813 abgeschafft wurde. Bis dahin durften nur die adeligen und geistlichen Herren Keltern betrieben.

Bevölkerungswachstum, Abgabelasten, die Folgen der Realteilung, der bevorzugte Anbau zwar ertragsreicher, aber qualitativ minderwertige Sorten, sowie eine ‚ `kleine Eiszeit´ von 1570 an leiteten gegen Ende des 16. Jhd. einen Niedergang des Weinbaus in Württemberg ein.

Erst recht die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges stürzen auch die Weinwirtschaft in die Krise. Per Verordnung wurde daher 1643 verfügt, das der Most fortan in drei Kategorien einzuteilen sei: Der Vorlass aus der Pressung der hochwertigen Trauben, der Nachdruck, gemischt mit geringeren Qualitäten, und der damals weniger gefragte rote Most sollten getrennt verarbeitet werden. Heunisch und Elbling waren lange die gängigsten Sorten.Der daraus bereitete Neckarwein stand im Ruf eines leichten Tropfens ohne nennenswertes Alterungspotenzial, dem das Attribut ’sauer‘ anhaftete.

Es sollte lange dauern, bis sich der Weinbau von den Kriegsfolgen erholte. Statt Edelsorten drangen Massenträger vor, wie die Putzscheere, die wohl aus Südosteuropa stammte, und der Silvaner, dessen Herkunft im deutsch-französischem Grenzland vermutet wird. Auf den Weinmärkten wurde in Knechts- und Herrrschaftsweine unterschieden. Wer es sich leisten konnte, trank teure Tropfen aus dem Ausland, Muskatelle oder Burgunder, so dass zeitweise sogar Importverbote verhängt wurden.

Herzog Carl Eugen, der von 1728 bis 1793 lebte, bestieg wegen des frühen Todes seines Vaters, bereits als neunjähriger 1737 den Thron des Herzogtums Württemberg. Bis zu seiner Mündigkeitserklärung im Alter von 16 Jahren – 1744 -wurde er am Hofe des Königs Friedrich II. von Preußen in Berlin erzogen.

Erst als älterer Herrscher kümmerte er sich auch um seine Untertanen und um die Landwirtschaft. So setzte er eine Kommission zur Verbesserung der Weinqualität ein, die neue Rebsorten, darunter Trollinger, Spätburgunder, Muskateller und Riesling, empfahl oder sogar vorschrieb.

An der Hohen Karlsschule wurde Grundlagenwissen über Weinbau und Landwirtschaft vermittelt. Außerdem ließ der Landesherr die von Geheimrat Bilfinger auf der Prag und in Cannstatt angelegten Rebsammlungen aufkaufen.

Christine Krämer ist davon überzeugt, dass beim Trollinger, der sich in dieser Zeit rasch ausbreitete, ebenso wie beim Traminer, der Name einer Handelssorte auf eine Rebsorte überging. Wein aus Tirol hatte einen guten Ruf und Namen.

Der Vermutung, dass es sich beim Trollinger – genetisch identisch mit der dort Vernatsch oder Schiava genannten Sorte – um eine Rebe aus Tirol handele, hält sie entgegen, dass der Trollinger lange Zeit `Welscher´ genannt wurde.

Welscher Wein aber, also ein Gewächs von jenseits des deutschen Sprachgebietes, wurde im Mittelalter strikt von jenem aus Tirol unterschieden.

Da die Größe der Beeren auf eine südöstliche Herkunft schließen lässt und der Name Schiava eine Verbindung mit dem Sortennamen `slava` andeutet, der schon früh im Friaul belegt ist, spricht einiges dafür, dass slawische Siedler die Rebe nach den Ungarneinfällen, – ca. 450 n. Chr. ?, – aus der ungarischen Tiefebene in die Alpenregion mitgebracht haben.

Ein weiteres Synonym, Lamber oder Lombard, kann als Indiz dafür betrachtet werden, dass die Sorte über die Lombardei nach Südwestdeutschland gelangt ist.

Der Ursprung des Traminers hingegen wird, wie der des Rieslings, am Rhein vermutet.

Von den früheren Hauptsorten Trollinger und Silvaner, hat sich der Trollinger behauptet, Silvaner hat an Bedeutung verloren. DerTrollinger hat nach wie vor in Stuttgart, wie in Württemberg, die größte Anbaufläche belegt, allerdings mit leicht rückläufiger Tendenz.

Dominierte im Mittelalter der Weiße, so sind heute rund 70 Prozent der 420 Hektar Rebfläche in Stuttgart mit roten Sorten bestockt, darunter die französischen Edelreben Cabernet und Merlot. Die Klimaerwärmung und der neuerdings gesetzlich erlaubte Anbau hat die Voraussetzungen dafür geschaffen.

Das Qualitätsstreben einer neuen Wengerter-Generation, ebenso ehrgeizig wie gut ausgebildet und innovationsfreudig, ist der andere Teil der Erklärung für die Globalisierung – Neugestaltung – im Weinbau, bei regionalen Voraussetzungen.

Dies zumindestens hat ihren Ursprung tatsächlich bei den Römern, unter denen der Wein zum Handelsgut aufstieg.

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