Hutzelbrot (Schnitzbrot)

Schon sehr früh, im jugendlichen Alter, habe ich von Eduard Möricke das Stuttgarter Hutzelmännlein gelesen, ich kann nicht sagen, wie ich daran gekommen bin, aber es hatte mich sehr beeindruckt. Das Hutzelbrot, welches der Schustergesell Seppe vom Hutzelmännchen zur Weiterwanderung bekam, will ich Ihnen daher nicht vorenthalten.

Meinem sehr alten Löfflerin Kochbuch habe ich das Rezept entnommen und gebe es ohne Änderung wieder:

Im Vorwort weißt das Kochbuch darauf hin, daß man nicht an der Qualität der Zutaten sparen soll, sie sind ausgiebiger, minderwertige Zutaten müssen mit mehr ausgeglichen werden, bringen aber nicht die gleiche Qualität. Dies nur als Anmerkung für Industrieprodukte in unserer Nahrung. Lebensqualität, Genuss und Harmonie für beste Produkte.

Nun zum Rezept:  Schnitzbrod, Hutzelbrod. Man siedet 125 gr gedörrte Birnenschnitze und etwas gedörrte Zwetschgen recht weich, aber jedes besonders, und verwiegt die Schnitze und die ausgesteinten Zwetschgen, das Wasser davon wird aufbewahrt. Hernach werden Nußkerne klein gewiegt und den Abend vor dem Gebrauch mit Kirschwasser angefeuchtet. Alsdann werden die Birnen und Zwetschgen nebst den Nußkernen und ein wenig Birnenwasser mit etwas Mehl vermischt, bis es gährt. Nun nimmt man Zimmt, Nelken, kleingeschnittene Citronen- und Pomeranzenschalen in den ‚Teig, verschafft ihn recht und läßt in stehen. Den anderen Tag wird von 60 gr. Mehl, Schnitzbrühe und 1 Löffel voll Hefe ein fester Teig gemacht, der Birnenteig heineingeschafft und stehen gelassen. Hernach, wenn er gegangen ist, macht man Laibchen auf ein mit Mehl bestreutes Blech, backt sie im Ofen und bestreicht sie dann mit Birnenwasser.

Aus meinem fast 100-jährigem Kochbuch, kurz nach dem 1. Weltkrieg, wird im Vorwort auf Sparsamkeit, aber gute Zutaten,  hingewiesen. Hier nun das Rezept zum Vergleich:

In die Mitte von 3 Pfund Mehl wird mit 75 Gramm in lauwarmem Wasser aufgelöster Hefe ein Vorteig gemacht. Tags zuvor werden 3 Pfund gedörrte Birnen in heißem Wasser gewaschen, mit heißem Wasser aufgestellt und halb weichgekocht. 1,5 Pfund gedörrte, gewaschene Zwetschgen werden noch 10 Minuten mitgekocht, hierauf die Brühe abgegossen, die Birnen in Scheiben geschnitten, die Zwetschgen entsteint und alles warmgestellt.

Mit der warmen Obstbrühe wird der Teig, nachdem der Vorteig gegangen ist, geknetet; er muß fest sein. Dann werden die Früchte, 200 gramm Zucker, 1 Teel. Salz, 1/4 Pfund geschnittene Nußkerne, 1/4 Pfund geschnittenen Feigen, 2 Eßl. Kirschwasser, 1 Kaffeel. Zimt, gewiegte Zitronenschale, 1 Teel. Nelken, Anis und Fenchel beigefügt und gut vermengt. Nach Belieben können noch 100 Gramm gewaschene Sultaninen, 40 Gramm kleingeschnittenes Zitronat und Pomeranzenschale und geschnittene Mandeln unter den Teig gegeben und noch gut verarbeitet werden. Der Teig wird mit Mehl überstäubt, mit einem Tuch bedeckt und über Nacht in die Wärme gestellt. Am anderen Tag werden beliebige Laibchen geformt, die man auf einem mit Mehl bestäubten Brett noch etwas gehen läßt. Wenn es aus dem Ofen kommt, überstreicht man das Hutzelbrot mit Zuckerwasser oder mit der Obstbrühe.

Probieren Sie einfach einmal die unterschiedlichen Rezepte und teilen Sie mir Ihre Erfahrungen mit. Viel Vergnügen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Trackback

  1. […] aus alten KochbüchernSchweinebraten mit KartoffelsalatGrüne Bohnen – nach alter ArtHutzelbrot (Schnitzbrot)Schwäbischer KartoffelsalatResteverwertung vom Schweinebraten und Kartoffelsalatregionale […]

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt.

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>